top of page

Individuation – der Weg zu dir selbst

Autorenbild: Mark Ehrsam
Mark Ehrsam
27. Okt.
3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 6 Tagen

Manchmal führt uns das Leben nicht an einen neuen Ort. Sondern zurück zu uns selbst.


Wir verbringen einen grossen Teil unseres Lebens damit, etwas aufzubauen. Wir lernen, arbeiten, übernehmen Verantwortung, erfüllen Erwartungen und wachsen in unterschiedliche Rollen hinein. Wir sind Berufsmenschen, Eltern, Partner, Freunde. Wir funktionieren, entscheiden, organisieren und leisten.


Und irgendwann taucht vielleicht eine ganz andere Frage auf: Bin ich eigentlich noch der Mensch, der ich sein möchte?


Was Carl Gustav Jung darunter verstand


Der Schweizer Psychiater Carl Gustav Jung (1875–1961) beschäftigte sich intensiv mit der menschlichen Persönlichkeit und ihrer Entwicklung. Er beschrieb einen lebenslangen Prozess, den er Individuation nannte. Dabei geht es nicht darum, jemand anderes zu werden. Sondern darum, sich selbst immer besser kennenzulernen – mit all seinen Stärken, Schwächen, Widersprüchen, Wünschen und Möglichkeiten.


Jung unterschied dabei unter anderem zwischen der Persona, unserer gesellschaftlichen Maske, und dem Selbst, das unsere gesamte Persönlichkeit umfasst.


Individuation bedeutet, über die vertrauten Rollen hinauszuwachsen und auch jene Seiten in uns zu entdecken, die bisher wenig Platz hatten. Vielleicht die spielerische Seite. Die mutige. Die neugierige. Oder jene, die einfach einmal nichts leisten möchte.


Die zweite Lebenshälfte – wenn sich Fragen verändern


In jungen Jahren geht es häufig darum, seinen Platz in der Welt zu finden. Wir bauen eine berufliche Existenz auf, gründen vielleicht eine Familie und verfolgen unsere Ziele.


Doch irgendwann verändern sich die Fragen. Nicht mehr nur: Was möchte ich erreichen?

Sondern auch: Was macht mich wirklich lebendig?


Vielleicht entdecken wir Interessen wieder, die wir längst vergessen hatten. Vielleicht spüren wir den Wunsch nach mehr Natur, Freiheit, Kreativität oder echten Begegnungen. Das bedeutet nicht, dass unser bisheriger Weg falsch war. Im Gegenteil. Alles, was wir erlebt und gelernt haben, gehört zu uns. Aber vielleicht ist es an der Zeit, einer anderen Seite von uns mehr Raum zu geben.


Was das alles mit Bogenschiessen zu tun hat


Für mich ist der Bogen ein wunderbares Sinnbild für diesen Weg.


Beim intuitiven Bogenschiessen geht es nicht nur darum, einen Pfeil ins Ziel zu bringen. Es geht auch darum, sich selbst zu erleben.


Stand finden. Wo stehe ich gerade im Leben?

Ausrichten. Wohin möchte ich eigentlich?

Spannen. Was gibt mir Kraft? Was fordert mich heraus?

Loslassen. Was darf ich hinter mir lassen?

Nachspüren. Was hat sich gut angefühlt?


Fünf einfache Schritte. Und doch steckt darin erstaunlich viel Leben. Das Schöne daran: Du musst nichts analysieren, nichts beweisen und auch keine tiefgründigen Antworten finden.

Du darfst einfach einen Bogen in die Hand nehmen, ausprobieren, treffen, danebenschiessen, lachen und es nochmals versuchen. Vielleicht entsteht dabei ganz nebenbei eine neue Erfahrung mit dir selbst.


Es geht nicht um Perfektion


Jung verstand Individuation nicht als Weg zur Perfektion. Es geht vielmehr darum, die verschiedenen Seiten unserer Persönlichkeit anzuerkennen und miteinander zu verbinden.

Und genau das gefällt mir am intuitiven Bogenschiessen. Du musst nicht perfekt stehen. Nicht jeden Pfeil ins Goldene schiessen. Nicht immer alles unter Kontrolle haben.


Manchmal trifft der Pfeil. Manchmal nicht.

Manchmal gelingt etwas völlig unerwartet.


Und manchmal ist gerade der Fehlschuss der Moment, über den du am meisten lachen musst.


Vielleicht bedeutet persönliche Entwicklung nicht immer, besser zu werden. Sondern manchmal einfach, freier zu werden.


Zurück zur Lebensfreude


Wir müssen nicht aus jeder Erfahrung eine Lebenslektion machen. Manchmal reicht es, draussen zu sein. Einen Bogen zu spannen. Den Pfeil fliegen zu lassen. Mit anderen zu lachen. Etwas Neues auszuprobieren. Und für einen Moment ganz bei sich zu sein.


Vielleicht beginnt genau dort etwas, das Jung Individuation nannte: ein Stück mehr von sich selbst zu entdecken. Nicht durch grosse Worte. Sondern durch das Leben selbst.


Denn vielleicht liegt das eigentliche Ziel nicht dort, wo der Pfeil landet. Sondern in dem, was wir unterwegs über uns entdecken.


Bogenkraft – Triff das Leben!

 
 
 

Kommentare


bottom of page