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Bogen & Selbsterfahrung

Autorenbild: Mark Ehrsam
Mark Ehrsam
vor 1 Tag
5 Min. Lesezeit

Warum intuitives Bogenschiessen mehr über uns verraten kann, als wir vielleicht erwarten.


Ein Bogen. Ein Pfeil. Eine Zielscheibe.


Eigentlich eine ziemlich einfache Angelegenheit. Du nimmst den Bogen in die Hand, legst einen Pfeil auf, spannst die Sehne und lässt los. Fertig.


Zumindest theoretisch. Denn kaum hältst du zum ersten Mal einen Bogen in der Hand, passiert etwas Interessantes. Du begegnest nicht nur einer neuen Herausforderung.

Du begegnest auch dir selbst. nd manchmal ist das ziemlich überraschend.


Wer bin ich eigentlich, wenn niemand zuschaut?


Stell dir vor, du stehst vor einer Zielscheibe. Der erste Pfeil fliegt. Daneben. Der zweite. Auch daneben. Und jetzt wird es spannend. Was passiert in dir? Ärgerst du dich? Musst du lachen? Wirst du ehrgeizig? Oder denkst du bereits, dass Bogenschiessen wohl nicht dein Ding ist?


Vielleicht bist du überrascht, wie ungeduldig du wirst. Vielleicht merkst du, dass du dich ständig mit anderen vergleichst. Oder du entdeckst eine Gelassenheit, die du dir selbst gar nicht zugetraut hättest. Das Faszinierende daran? Niemand muss dir erklären, wie du reagierst. Du kannst es selbst erleben. Manchmal zeigt uns eine kleine Herausforderung etwas, das wir im Alltag kaum bemerken.


Der Pfeil kennt keine Ausreden


«Der Wind war schuld!»

«Der Bogen ist irgendwie komisch!»

«Die Sehne hat mich irritiert!»

«Ich wollte sowieso nicht in die Mitte treffen!»


Beim Bogenschiessen gibt es wunderbare Ausreden. Und ganz ehrlich: Manche davon sind sogar berechtigt. Wind, Material und Technik können einen Schuss tatsächlich beeinflussen. Doch manchmal steckt hinter einer Ausrede auch etwas anderes. Vielleicht möchten wir nicht zugeben, dass uns etwas noch nicht gelingt. Vielleicht fällt es uns sc hwer, Anfänger zu sein. Oder wir haben einfach zu hohe Erwartungen an uns selbst. Dabei ist das doch eigentlich das Schöne am Ausprobieren. Wir müssen noch nichts können. Wir dürfen lernen. Wir dürfen Fehler machen. Und wir dürfen herzhaft lachen, wenn unser Pfeil einen völlig unerwarteten Weg nimmt. Selbsterfahrung beginnt manchmal mit der Fähigkeit, über sich selbst zu schmunzeln.


Wenn aus Wollen plötzlich Müssen wird


Am Anfang ist alles noch locker. Du bist neugierig. Du probierst aus. Du freust dich über jeden Pfeil, der überhaupt die Zielscheibe erreicht. Doch dann passiert es. Ein richtig guter Treffer! Wow!


Und plötzlich möchtest du ihn wiederholen. Unbedingt. Du konzentrierst dich stärker, strengst dich mehr an und willst es noch besser machen. Aber irgendwie klappt es nicht mehr so leicht. Kommt dir das bekannt vor?


Auch im Alltag kann aus einem ursprünglichen Wunsch schnell eine Erwartung werden.

Aus Freude wird Leistungsdruck. Aus Neugier wird der Anspruch, etwas perfekt machen zu müssen. Beim Bogenschiessen lässt sich das manchmal wunderbar beobachten.

Und vielleicht hilft dann ein einfacher Gedanke: Ich bin hier, um etwas zu erleben. Nicht, um etwas zu beweisen.


Die Sache mit der Geduld


Ein Pfeil nach dem anderen. Manchmal klappt es auf Anhieb. Manchmal braucht es zehn Versuche. Manchmal funktioniert etwas plötzlich nicht mehr, obwohl es eben noch wunderbar ging. Bogenschiessen kann Geduld verlangen. Und Geduld ist eine interessante Angelegenheit. Wir erwarten sie gerne von anderen.


Bei uns selbst sieht das manchmal etwas anders aus. Vielleicht bemerkst du, dass du schnell ungeduldig wirst. Vielleicht möchtest du möglichst rasch Fortschritte sehen.

Oder du entdeckst, dass du es sogar geniesst, dir für einmal Zeit zu lassen. Ohne Eile.

Ohne Zeitdruck. Ohne dass jemand auf ein Ergebnis wartet. Einfach einen Pfeil nach dem anderen. Nicht jeder Versuch muss besser sein als der vorherige. Manchmal ist es schon schön, überhaupt wieder etwas Neues zu lernen.


Mut sieht nicht immer heldenhaft aus


Mut verbinden wir gerne mit grossen Taten. Mit Abenteuern, Herausforderungen und spektakulären Entscheidungen. Dabei kann Mut auch ganz unscheinbar sein. Zum Beispiel, wenn du etwas ausprobierst, das du noch nie gemacht hast. Wenn du akzeptierst, dass du nicht sofort gut darin bist. Wenn du dich traust, vor anderen einen Fehler zu machen. Oder wenn du nach einem misslungenen Versuch einfach nochmals einen Pfeil auflegst. Vielleicht ist das sogar eine der schönsten Erfahrungen beim Bogenschiessen. Dass Mut nicht bedeutet, keine Unsicherheit zu spüren.

Sondern sich trotzdem auf etwas Neues einzulassen. Und manchmal wird aus diesem kleinen Schritt ein richtig grosses Lächeln.


Du musst nicht immer ins Schwarze (oder Goldene) treffen


Wir leben in einer Welt voller Bewertungen. Punkte. Noten. Leistungen. Ergebnisse.

Fast überall wird gemessen, verglichen und optimiert. Und natürlich lässt sich auch beim Bogenschiessen wunderbar zählen, wer wie viele Punkte erzielt. Aber was passiert, wenn wir die Punkte einfach einmal weglassen? Wenn wir statt einer klassischen Zielscheibe auf spielerische Ziele schiessen?


Wenn plötzlich nicht mehr der beste Treffer zählt, sondern die ungewöhnlichste Idee?

Vielleicht wird dann aus dem ehrgeizigen Schützen ein begeisterter Spieler. Vielleicht traut sich jemand plötzlich mehr zu. Und vielleicht entdecken wir, dass Erfolg nicht immer bedeutet, möglichst gut zu sein. Manchmal bedeutet Erfolg einfach, etwas mit Freude getan zu haben.


Gemeinsam lachen verbindet


Selbsterfahrung muss nicht immer eine einsame Angelegenheit sein. Im Gegenteil.

Manchmal entdecken wir gerade im Zusammensein mit anderen ganz neue Seiten an uns. Beim gemeinsamen Bogenschiessen entstehen oft kleine, ungeplante Momente.

Ein überraschender Volltreffer. Ein Pfeil, der völlig danebenfliegt. Ein lustiger Spruch.

Ein gemeinsames Erfolgserlebnis. Und plötzlich wird gelacht. Nicht höflich gelächelt.

Sondern richtig gelacht. Solche Momente schaffen Verbindung.


Sie erinnern uns daran, dass wir nicht immer eine Rolle erfüllen müssen. Nicht immer der Kompetente, der Erfolgreiche oder derjenige sein müssen, der alles im Griff hat. Wir dürfen einfach Mensch sein. Mit unseren Stärken, Eigenheiten und kleinen Schwächen.


Was bleibt, wenn der letzte Pfeil geschossen ist?


Vielleicht gehst du nach Hause und denkst: «Wow, das hat richtig Spass gemacht!»

Vielleicht bist du stolz auf deinen ersten Treffer. Vielleicht hast du festgestellt, dass du geduldiger bist, als du dachtest. Oder dass du dich manchmal selbst viel zu ernst nimmst. Vielleicht hast du auch überhaupt keine besondere Erkenntnis gewonnen.

Und weisst du was? Das ist genauso wunderbar. Denn nicht jede Erfahrung muss uns verändern. Nicht jedes Erlebnis braucht eine tiefere Bedeutung. Manchmal reicht es vollkommen, eine schöne Zeit gehabt zu haben. Und manchmal entdecken wir erst viel später, was uns ein bestimmter Moment mitgegeben hat.


Ein bisschen mehr du selbst


Für mich liegt genau darin der besondere Reiz des intuitiven Bogenschiessens.

Es bietet Raum zum Ausprobieren. Zum Entdecken. Zum Staunen. Zum Lachen.

Und manchmal auch dazu, uns selbst aus einer neuen Perspektive kennenzulernen.

Nicht durch komplizierte Fragen oder tiefgründige Gespräche. Sondern durch das, was wir ganz unmittelbar erleben. Durch einen Bogen. Einen Pfeil. Und die vielen kleinen Überraschungen dazwischen.


Vielleicht müssen wir gar nicht immer nach uns selbst suchen. Manchmal genügt es, etwas Neues zu erleben – und dabei zu entdecken, was schon längst in uns steckt.


Und wenn wir dabei auch noch jede Menge Spass haben? Dann hat sich der Ausflug doch bereits gelohnt.


Bogenimpuls


Ein Pfeil zeigt dir, wo du getroffen hast.

Deine Reaktion darauf zeigt dir vielleicht etwas über dich selbst.

Und manchmal ist genau das der spannendere Treffer.


Bogenkraft – Triff das Leben!

 
 
 

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