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Die Kunst des Loslassens

Autorenbild: Mark Ehrsam
Mark Ehrsam
29. Sept.
4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 6 Tagen

Manchmal wissen wir nicht, wohin uns das Leben führt. Und trotzdem spüren wir, dass es Zeit ist, den nächsten Schritt zu wagen.


Kennst du dieses Gefühl? Du stehst vor einer Entscheidung. Dein Kopf wägt ab, sucht nach Antworten, prüft Möglichkeiten. Doch irgendwo tief in dir ist dieses leise Gefühl, das dir sagt: Das könnte der richtige Weg sein. Ist das Intuition? Ist das Vertrauen? Oder gehört beides zusammen?

Vielleicht sind es zwei Seiten derselben Medaille.


Intuition ist das Spüren. Vertrauen ist das Folgen.


Intuition ist diese innere Wahrnehmung, die oft auftaucht, bevor wir etwas bewusst erklären können. Ein Bauchgefühl, ein Impuls, eine Ahnung. Manchmal ganz leise, manchmal überraschend deutlich. Doch eine Intuition zu haben, bedeutet noch lange nicht, ihr auch zu folgen.

Denn dann meldet sich unser Verstand. Er möchte Sicherheit, sucht nach Beweisen und stellt Fragen. Was, wenn es schiefgeht? Was, wenn ich mich täusche? Was, wenn der andere Weg besser gewesen wäre?


Und genau hier kommt das Vertrauen ins Spiel. Vertrauen bedeutet nicht, blindlings jedem Gefühl hinterherzulaufen. Es bedeutet, die eigene Wahrnehmung ernst zu nehmen, sie mit dem Verstand abzugleichen und sich schliesslich zu erlauben, einen Schritt zu wagen. Intuition zeigt uns eine mögliche Richtung. Vertrauen gibt uns den Mut, loszugehen.


Bauch, Kopf und Herz – ein wunderbares Zusammenspiel


Wir sprechen oft davon, auf den Bauch oder auf den Kopf zu hören. Doch was ist mit dem Herzen?

Vielleicht brauchen wir alle drei.


Der Bauch spürt. Er nimmt wahr, was uns anzieht, was uns bewegt oder was sich nicht stimmig anfühlt. Der Kopf denkt. Er hinterfragt, analysiert, sammelt Erfahrungen und hilft uns, Risiken einzuschätzen. Das Herz steht sinnbildlich für das, was uns wichtig ist. Für unsere Werte, unsere Wünsche und den Mut, uns selbst treu zu bleiben.


Keiner dieser drei Begleiter muss allein entscheiden. Denn nicht jedes Bauchgefühl ist automatisch richtig. Nicht jeder Gedanke ist hilfreich. Und nicht jeder Herzenswunsch lässt sich sofort verwirklichen. Aber wenn Bauch, Kopf und Herz miteinander statt gegeneinander arbeiten, kann etwas Wunderbares entstehen: innere Klarheit. Und vielleicht beginnt genau dort das Vertrauen.


Was uns ein Bogen darüber erzählen kann


Beim intuitiven Bogenschiessen lässt sich dieses Zusammenspiel auf eine ganz besondere Weise erleben. Du stehst vor der Zielscheibe. Deine Füsse finden ihren Stand. Du nimmst den Bogen in die Hand, legst den Pfeil auf und richtest dich aus. Dein Kopf kennt den Ablauf. Dein Körper findet seine Bewegung. Du atmest, spannst die Sehne und spürst den Moment. Und irgendwann ist er da.

Dieser Augenblick, in dem du nicht mehr überlegen musst. Du lässt los. Der Pfeil verlässt die Sehne und fliegt seinem Ziel entgegen. Ab diesem Moment kannst du nichts mehr verändern. Du kannst nicht nachkorrigieren, nicht eingreifen, nicht zurückholen. Du hast getan, was du tun konntest.

Jetzt darfst du vertrauen. Vielleicht ist genau das die schönste Lektion des Bogenschiessens: Nicht alles im Leben lässt sich kontrollieren.


Vertrauen heisst nicht, immer ins Schwarze zu treffen


Natürlich freuen wir uns, wenn der Pfeil mitten im Ziel landet. Dieses kleine Glücksgefühl, dieses spontane Lächeln – wunderbar! Doch was passiert, wenn er danebenfliegt? War unsere Intuition falsch? Haben wir zu wenig vertraut? Nicht unbedingt.


Vielleicht war die Haltung noch ungewohnt. Vielleicht waren wir abgelenkt. Vielleicht braucht es einfach noch etwas Übung. Und manchmal gehört das Danebenschiessen schlicht dazu. Das Leben funktioniert ähnlich. Wir treffen Entscheidungen, schlagen Wege ein, probieren Neues aus. Nicht immer kommt dabei heraus, was wir uns vorgestellt haben. Aber jeder Versuch schenkt uns eine Erfahrung. Wir dürfen nachjustieren, dazulernen und es nochmals versuchen. Vertrauen bedeutet deshalb nicht, sicher zu sein, dass alles gut kommt. Vertrauen bedeutet auch, darauf zu bauen, dass wir mit dem umgehen können, was kommt.


Loslassen schafft Raum für Lebensfreude


Vielleicht halten wir im Alltag manchmal zu fest. An Erwartungen, Vorstellungen, Sicherheiten oder dem Wunsch, alles richtig zu machen. Wir planen, kontrollieren, denken voraus. Und vergessen dabei gelegentlich, den Augenblick zu geniessen. Beim Bogenschiessen erleben wir etwas anderes.

Wir konzentrieren uns auf das Hier und Jetzt. Wir spüren unseren Körper, unsere Atmung und die Spannung des Bogens. Und dann lassen wir los. Manchmal trifft der Pfeil. Manchmal nicht. Manchmal überrascht uns das Ergebnis. Und manchmal müssen wir einfach lachen.

Genau darin liegt für mich ein Stück Lebensfreude. Nicht alles muss perfekt sein. Nicht jeder Schuss braucht eine tiefere Bedeutung. Manchmal dürfen wir einfach ausprobieren, spielen, staunen und Freude haben.


Und was nehmen wir mit ins Leben?


Vielleicht brauchen wir gar nicht immer mehr Antworten. Vielleicht brauchen wir manchmal etwas mehr Vertrauen in uns selbst. Das Vertrauen, unserer Wahrnehmung Raum zu geben. Das Vertrauen, den Verstand als hilfreichen Begleiter zu nutzen, statt uns von jedem Zweifel aufhalten zu lassen. Und das Vertrauen, dass wir nicht jeden Schritt unseres Weges im Voraus kennen müssen. Denn Leben bedeutet auch, sich auf Unbekanntes einzulassen.


Spüre, was dich bewegt. Prüfe, was dir wichtig ist. Wage den nächsten Schritt. Und dann lass los.

Vielleicht landet dein Pfeil genau dort, wo du ihn haben wolltest. Vielleicht aber auch ganz woanders. Und wer weiss? Vielleicht entdeckst du gerade dort etwas, das du vorher gar nicht gesucht hast.


Bogenimpuls


Intuition zeigt dir eine Richtung.

Vertrauen schenkt dir den Mut.

Loslassen lässt dich das Leben erleben.


Bogenkraft – Triff das Leben!

 
 
 

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