top of page

Bogen & Archetypen

Autorenbild: Mark Ehrsam
Mark Ehrsam
20. Okt.
4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 6 Tagen

Manchmal sind wir mutig. Manchmal vorsichtig. Manchmal verspielt. Und manchmal überraschen wir uns selbst.


Kennst du Robin Hood? Den mutigen Bogenschützen, der für Gerechtigkeit kämpft? Oder die weisen, ruhigen Bogenschützen aus alten Geschichten und Legenden? Seit Jahrhunderten steht der Bogen für weit mehr als nur das Treffen eines Ziels. Er symbolisiert Mut, Konzentration, Geschicklichkeit, Freiheit und manchmal auch die Suche nach dem eigenen Weg. Doch was hat das mit uns zu tun? Erstaunlich viel.


Archetypen – die Figuren in uns


Der Schweizer Psychiater Carl Gustav Jung beschäftigte sich mit sogenannten Archetypen. Er verstand darunter grundlegende, wiederkehrende Muster und Bilder, die sich in Mythen, Geschichten, Träumen und menschlichen Erfahrungen zeigen.


Der Held. Der Weise. Die fürsorgliche Gestalt. Der Schatten.


Solche Figuren begegnen uns in Märchen, Filmen und Legenden – und manchmal erkennen wir darin etwas von uns selbst. Dabei geht es nicht darum, Menschen in feste Schubladen einzuteilen.

Wir tragen unterschiedliche Eigenschaften und Möglichkeiten in uns. Je nach Situation kommt eine andere Seite zum Vorschein. Und vielleicht kann uns gerade ein Bogen helfen, einige davon spielerisch zu entdecken.


Der Held – Mut zum ersten Pfeil


Der Held wagt etwas. Er stellt sich Herausforderungen, überwindet Hindernisse und macht Erfahrungen, an denen er wachsen kann. Beim Bogenschiessen beginnt das manchmal ganz unspektakulär. Du nimmst zum ersten Mal einen Bogen in die Hand. Vielleicht bist du unsicher. Vielleicht denkst du, dass du bestimmt nicht treffen wirst. Und trotzdem probierst du es.

Du spannst die Sehne. Lässt los. Der Pfeil fliegt. Ob du triffst oder nicht, spielt zunächst keine Rolle.

Du hast etwas Neues gewagt. Manchmal beginnt Mut mit einem einzigen Pfeil.


Der Entdecker – neugierig bleiben


Der Entdecker liebt das Unbekannte. Er möchte ausprobieren, Erfahrungen sammeln und neue Möglichkeiten kennenlernen. Beim intuitiven Bogenschiessen gibt es dafür reichlich Gelegenheit.

Wie verändert sich mein Schuss, wenn ich etwas anders stehe? Wie fühlt sich eine grössere Entfernung an? Was passiert, wenn ich eine ungewöhnliche Zielscheibe verwende?

Vielleicht entdeckst du, dass du viel treffsicherer bist, als du gedacht hast. Oder dass dir spielerische Herausforderungen mehr Freude bereiten als das klassische Scheibenschiessen.

Der Entdecker muss nicht immer wissen, wohin die Reise führt. Manchmal reicht die Neugier auf den nächsten Pfeil.


Der Weise – die Kunst des Beobachtens


Der Weise muss nicht alles besser wissen. Er nimmt wahr, sammelt Erfahrungen und lernt daraus.

Beim Bogenschiessen zeigt sich diese Seite besonders schön. Du schiesst einen Pfeil. Er landet nicht dort, wo du ihn erwartet hast. Was nun? Du kannst dich ärgern. Oder du kannst neugierig beobachten. Wie war mein Stand? War ich angespannt? Habe ich die Bewegung verändert?

Vielleicht findest du eine Erklärung. Vielleicht auch nicht. Aber du hast etwas erlebt, aus dem du lernen kannst. Und manchmal besteht die grösste Weisheit darin, einen Fehlschuss einfach mit einem Lächeln hinzunehmen.


Der Spieler – Lebensfreude ohne Leistungsdruck


Diese Figur gehört für mich unbedingt dazu. Der Spieler möchte ausprobieren, lachen, staunen und Spass haben. Nicht alles muss einen tieferen Sinn haben. Manchmal ist es einfach herrlich, mit Pfeil und Bogen eine Zeitung zu halbieren, ein Bingo zu spielen oder sich mit Freunden einer lustigen Herausforderung zu stellen. Da wird gejubelt, gelacht und manchmal auch ein bisschen geflucht.

Und plötzlich ist sie wieder da: diese unbeschwerte Freude, die wir aus unserer Kindheit kennen.

Der Spieler erinnert uns daran, dass wir nicht immer etwas erreichen oder beweisen müssen. Manchmal ist Freude schon Ziel genug.


Der Schatten – wenn nicht alles gelingt


Jung beschrieb mit dem Schatten jene Seiten unserer Persönlichkeit, die wir lieber nicht sehen oder wahrhaben möchten. Beim Bogenschiessen können uns manchmal ganz unerwartete Reaktionen begegnen. Du möchtest unbedingt treffen. Doch der Pfeil landet daneben. Du wirst ungeduldig. Ärgerst dich. Vergleichst dich mit anderen. Vielleicht überrascht dich sogar, wie ehrgeizig du plötzlich bist. Auch das gehört zu uns. Es bedeutet nicht, dass etwas falsch läuft.

Vielleicht dürfen wir einfach darüber schmunzeln und feststellen: Aha, diese Seite kenne ich also auch! Und dann? Einmal durchatmen. Den nächsten Pfeil auflegen. Weiterspielen.


Welcher Bogenschütze steckt in dir?


Vielleicht erkennst du dich in mehreren dieser Figuren wieder. Manchmal bist du der mutige Held, der etwas Neues wagt. Manchmal der Entdecker, der neugierig ausprobiert. Manchmal der Weise, der ruhig beobachtet. Und manchmal einfach der Spieler, der aus vollem Herzen lacht. Das Schöne daran: Du musst dich nicht für eine Rolle entscheiden. Wir sind nicht immer gleich. Und das müssen wir auch nicht sein. Beim intuitiven Bogenschiessen dürfen unterschiedliche Seiten von uns zum Vorschein kommen. Ganz ohne Bewertung und ohne den Anspruch, uns verändern zu müssen.


Triff das Leben – mit all deinen Seiten


Vielleicht ist das die schönste Verbindung zwischen den Archetypen und dem Bogen.

Wir müssen nicht immer stark, mutig, gelassen oder treffsicher sein.

Wir dürfen neugierig, unsicher, verspielt, ehrgeizig und manchmal auch ziemlich ungeschickt sein.

Alles gehört zum Erleben dazu. Und vielleicht entdecken wir beim Bogenschiessen ganz nebenbei eine Seite an uns, die wir schon lange nicht mehr gespürt haben.


Denn manchmal treffen wir mit einem Pfeil nicht nur ein Ziel. Sondern begegnen auch einem Stück von uns selbst.


Bogenkraft – Triff das Leben!

 
 
 

Kommentare


bottom of page